Gerade junge Menschen mit bereits bestehenden Traumafolgestörungen reagieren besonders sensibel: Gewalt- oder Albtraumszenen können Panik, Schlafprobleme und alte Symptome wiederaufflammen lassen. Posttraumatische Belastungsstörungen äußern sich unter anderem durch Flashbacks, Albträume, starke Angstreaktionen und anhaltende Übererregung [3][4]. Eine Retraumatisierung – also eine Zunahme der Symptomatik durch erneute Konfrontation mit trauma-assoziierten Reizen – ist genau das, was traumasensible Settings vermeiden sollen [5].
Folge davon können langfristige Leistungseinbußen sein. Fachliteratur zeigt, dass traumatische Erfahrungen mit Beeinträchtigungen von Konzentration, Lernleistung und emotionaler Regulation einhergehen können. Betroffene zeigen häufiger Schul- oder Ausbildungsabbrüche, erhöhte Fehlzeiten und Schwierigkeiten, Anforderungen dauerhaft zu bewältigen [6]. Wird ein junger Rehabilitand oder Auszubildender durch ein schockierendes Filmszenario unvorbereitet getriggert, können Flashbacks und Angstattacken den Therapie- oder Ausbildungserfolg gefährden und nachhaltige Rückschritte auslösen [3][4].
Schutzkonzepte sind deshalb essenziell: In Bildungs- und Reha-Settings sollten belastende Medieninhalte nur mit Vorwarnung eingesetzt werden. Trauma-informierte Ansätze betonen ausdrücklich das Ziel, Retraumatisierung zu vermeiden und Sicherheit, Wahlmöglichkeiten und Transparenz zu gewährleisten [5][7]. Inhalts- oder Triggerwarnungen vor Gewaltdarstellungen geben Betroffenen die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, ob und wie sie mit bestimmten Inhalten umgehen – etwa durch Aussetzen, Begleitung oder den Rückzug in einen sicheren Raum.
Mögliche Schutzmaßnahmen können sein:
Triggerwarnungen / Inhaltswarnungen:
Vor Filmen oder Serien mit Gewalt und Horror sollte klar und konkret auf Art und Intensität der Inhalte hingewiesen werden. Trauma-informierte Lehr- und Ausbildungspraxis empfiehlt ausdrücklich ein solches Vorgehen, um ungewollte Belastungen zu vermeiden [7].
Traumapädagogische Schulung des Personals:
Pädagoginnen, Ausbilder und Reha-Begleitende sollten Grundkenntnisse zu Trauma, Triggern, Stressreaktionen und Deeskalation besitzen. Fortbildungs- und E-Learning-Programme zu Trauma- und Schutzkonzepten – etwa im Rahmen von Kinderschutz- und Präventionsprojekten – können dabei unterstützen, Belastungssignale frühzeitig zu erkennen und angemessen zu reagieren [8].
Traumasensibles Umfeld:
Ruheräume, verlässliche Tagesstrukturen, klare Regeln und eine Kultur, in der Betroffene ohne Rechtfertigungsdruck aus belastenden Situationen aussteigen dürfen, tragen wesentlich zur Stabilisierung bei. Trauma-informierte Organisationsmodelle benennen Sicherheit, Transparenz, Wahlmöglichkeiten und Empowerment als zentrale Prinzipien [5].
Durch solche Konzepte wird die Teilhabe junger Menschen mit psychischen Diagnosen an Aus- und Weiterbildung sowie Therapie gestärkt, statt sie durch unbedachte Medieninhalte zu gefährden. Das ist kein Ausdruck von Übervorsicht, sondern professioneller Reha- und Ausbildungsschutz: Retraumatisierung kostet Stabilität – und damit Lern- und Entwicklungschancen.
Quellen
[1] NCBI Bookshelf – Trauma-informed Care: Trigger und Flashbacks
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK207191/
[2] Araújo AXG et al. (2019): Can horror movies induce PTSD-like syndrome?
Fallbericht (10-jähriges Kind), PDF
https://www.scielo.br/j/rlpf/a/PnsxyrBskHfLdVHrDk7pfwn/?format=pdf&lang=en
[3] National Institute of Mental Health (NIMH): Post-traumatic stress disorder (PTSD)
https://www.nimh.nih.gov/health/publications/post-traumatic-stress-disorder-ptsd
[4] Mayo Clinic: PTSD – Symptoms and causes
https://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/post-traumatic-stress-disorder/symptoms-causes/syc-20355967
[5] SAMHSA (2014): SAMHSA’s Concept of Trauma and Guidance for a Trauma-Informed Approach (PDF)
https://coresonline.org/sites/default/files/documents/samhsas_concept_of_trauma_and_guidance_for_a_trauma-informed_approach.pdf
[6] Frieze, S. (2015): How Trauma Affects Student Learning and Behaviour (ERIC, PDF)
https://files.eric.ed.gov/fulltext/EJ1230675.pdf
[7] Carello, J. & Butler, L. D. (2015): Practicing What We Teach: Trauma-Informed Educational Practice (PDF)
https://socialwork.buffalo.edu/content/dam/socialwork/home/teaching-resources/1-2-Carello-Butler-2015-Practicing-What-We-Teach.pdf
[8] Universitätsklinikum Ulm – ECQAT-Projekt (Traumapädagogik & Schutzkonzepte)
https://www.uniklinik-ulm.de/kinder-und-jugendpsychiatrie-psychosomatik-und-psychotherapie/sektionen-und-arbeitsgruppen/abgeschlossene-projekte/verbundprojekt-ecqat/ecqat.html
